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Formen/Poomsae

Begriffserklärung

Formen sind festgelegte Techniken, die in einer vorgegebenen Reihenfolge durchgeführt werden. Dabei werden Hand-, Arm- und Fußtechniken sowie symbolische Figuren wie Bojumeok (Frieden) oder kombinierte Techniken verwendet. Die Formen simulieren einen Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner und dienen der Automatisierung von Bewegungsfolgen. Auch in anderen Sportarten gibt es feste Folgen von Schritten oder Figuren - etwa beim Tanzen oder Eiskunstlauf.

Beim Formenlauf ist es besonders wichtig, dass der TKD-Sportler die Techniken sauber ausführt. Er benötigt dazu besondere Konzentration und gezielten Körpereinsatz (Hüfte und Einrasten), beides führt zu mehr Kraft und Effizienz. Der Sportler entdeckt, entwickelt und stärkt sein Körperbewusstsein durch den Formenlauf. Durch häufiges Üben, bis hin zur Perfektion, verbessert der Formenläufer seinen Körper und Geist: Gleichgewicht, Ruhe, Kraft, Kontrolle und Konzentration verschmelzen zu einer körperlich-geistigen Einheit.

Formen unterteilen sich in acht Schüler- und neun Meisterformen. Die Schülerformen (Taegeuks) haben keine eigenen Namen und sind nach den koreanischen Ordnungszahlen benannt worden. Die Meisterformen (Poomsae) besitzen individuelle Namen, die jeweils eine tiefere Bedeutung widerspiegeln. Die Meisterformen sind wesentlich schwerer die Schülerformen. Umgangssprachlich werden sowohl Schüler- als auch Meisterformen als Poomsae benannt, was jedoch fachlich nicht korrekt ist.

Taegeuks – Schülerformen (9. – 1. KUP)

1. Taegeuk Il-Jang Das Symbol "Keon" der Poomse Il-Jang steht für Himmel und Licht, womit alles gedeihen kann. Mit Himmel ist also die Schöpfung symbolisiert, der Anfang des Seins.
2. Taegeuk I-Jang Das Symbol "Tae" der Taeguk I-Jang symbolisiert Frohsinn und Glück. Ein von Frohsinn geprägter Mensch verfügt über eine gefestigte innere Kraft, die ihn ausgeglichen und ruhig sein lässt.
3. Taegeuk Sam-Jang Taeguk Sam Jang wird symbolisiert durch das Zeichen des Feuers: "Ra". Das Feuer gibt den Menschen Wärme und Licht. Es kann aber auch Furcht und Schrecken verbreiten.
4. Taegeuk Sah-Jang Das Symbol "Jin" der Taeguk Sah-Jang steht für den Donner. Donner und Blitz flößen dem Menschen Furcht ein. Donner bedeutet aber gleichzeitig auch Kraft und Macht.
5. Taegeuk Oh-Jang Taeguk Oh-Jang steht unter dem Symbol "Son" des Windes. Trotz Sturm und Tornados hat der Wind eigentlich eine gute Bedeutung. Der Wind verteilt die Saat über die Felder und zerstreut dunkle Wolken. Er symbolisiert die Kraft der Zerstörung und die des Aufbaus.
6. Taegeuk Yuk-Jang Das Symbol "Kam", das Zeichen für Wasser, kennzeichnet diese Form. Wie das Wasser, das immer bergab fließt, fließen die Bewegungen der Poomsae ineinander über.
7. Taegeuk Chil-Jang Das Symbol "Kan" dieser Form steht für den Berg, unverrückbar und fest. Der Mensch trachtet seine Festigkeit dadurch zu erringen, dass er geht, wenn er muss, und anhält, wenn dies geboten ist.
8. Taegeuk Pal-Jang Das achte und letzte Symbol "Kon" der Taegeuk steht für die Erde. Die Erde ist die Mutter des Lebens. Sie macht die Fruchtbarkeit und die Schöpfung des Himmels möglich.

Poomsae – Meisterformen (1. – 9. DAN "Schwarz Gurt")

1. Koryo

Koryo ist der Name einer Dynastie (918 - 1392 n. Chr.), aus dessen Name sich das Wort Korea abgeleitet hat. Poomse Koryo spiegelt in ihren Bewegungen die geistige Haltung des "Koryo Volkes" wieder, das mit Überzeugung und starkem Willen einem mächtigen Gegner wiederstand.

2. Kumgang

Mit dem Wort Kumgang sind im Koreanischen viele Begriffe verbunden. So bedeutet das Wort selbst: zu fest, um zerbrochen zu werden. Kumgang ist aber auch die Bezeichnung der Buddhistischen Mönche für "die Beendigung aller Seelenpein durch Weisheit und Tugend". Der größte Berg Koreas, sowie ein Diamant wird Kumgang genannt. Entsprechend den Bedeutungen ist Kumgang eine Bewegungsform, die auf geistiger Kraft basiert, mit der Erhabenheit eines Berges und der Härte eines Diamanten vergleichbar.

3. Taebaek

Die Sage über die Gründung Koreas berichtet, dass um 2334 v. Chr. der legendäre Tangun auf dem Berg Taebaek, der heute Baekdu heißt, das Volk Koreas gründete. Poomse Taebaek demonstriert nicht nur Genauigkeit und Schnelligkeit, sondern auch Strenge und Entschlossenheit.

4. Pyongwon

Der Lebensraum des menschlichen Seins ist die Ebene. Weite und fruchtbare Ebenen geben uns Nahrung. Eine große und offene Ebene erstreckt sich endlos und gibt so dem Betrachter ein Gefühl der Erhabenheit. Die Ebene mit ihrem Überfluss und der grenzenlosen Weite findet ihre Versinnbildlichung in der Poomse Pyongwon.

5. Sipjin

Die Poomse Sipjin steht für das dezimale System. Die Zahl 10 ist Symbolfigur für endlose Entwicklung und Wachstum. Wachstum ist nur bei einer systematischen und geregelten Ordnung wirkungsvoll. Die Eigenart der Poomse Sipjin liegt in höchstem Abwechslungsreichtum und der geordneten Disziplin des dezimalen Systems. Das Diagramm dieser Form ist das Chin, Zeichen für 10.

6. Jitae

Gemäß dem fernöstlichen Glauben, kommt alles aus der Erde hervor und kehrt wieder in sie zurück. Die Erde ist Beginn und Ende des Lebens. Lebewesen und Natur formen und verändern sie fortdauernd. Poomse Jitae vereinigt diese Eigenschaften in ihren Bewegungen.

7. Chonkwon

In der alten Zeit wurde der Himmel als Herrscher über das Universum und die Menschen verehrt. Man dachte der Himmel habe die Natur erschaffen. Chonkwon ist durchdrungen von Bewegungen, die voll Frömmigkeit und Vitalität sind, wie ein Mensch, der in den Himmel blickt, oder wie ein Adler, der in den Himmel emporsteigt.

8. Hansu

Wasser bildet Seen und Flüsse, angefangen mit einem einzelnen Tropfen. Es ist still, aber auch wild und passt sich jeder Form an. Die Eigenschaften des Wassers sind typisch für diese Poomsae.

9. Ilyo

Im Buddhismus nennt man den Zustand der geistigen Ausbildung, in dem Körper und Geist zu einer Einheit verschmelzen, Ilyo. Es ist die Aufgabe des Lernenden diesen Zustand zu suchen und eine Konzentration zu erreichen, in der es möglich ist, Übungen durchzuführen, und das weltliche abzulegen.